Inflammatorischer Brustkrebs - Symptome, Diagnose & Therapie

 

Was ist ein inflammatorischer Brustkrebs?

 
Inflammatorischer Brustkrebs

Der inflammatorische Brustkrebs (syn.: inflammatorisches Mammakarzinom) ist selten und wird nur bei 1-5% aller Brustkrebserkrankungen festgestellt. Bei einer Rötung, Schwellung oder Überwärmung Ihrer Brust, die einer Entzündung (= Inflammation) ähnelt, sollten Sie sich bei Ihrer Frauenärztin oder Ihrem Frauenarzt vorstellen. Natürlich können diese Symptome auch Ursachen haben, die nichts mit Krebs zu tun haben (z.B. eine Brustentzündung in der Stillzeit), aber ein inflammatorischer Brustkrebs, der einer Entzündung vom Erscheinungsbild sehr ähnlich ist, aber keine klassische Entzündung ist, muss immer ausgeschlossen werden - vor allem, wenn eine Behandlung mit einem Antibiotikum nicht anspricht. Eine „normale“ Brustentzündung (Mastitis) ist außerhalb der Stillzeit grundsätzlich eher unwahrscheinlich.  

Der inflammtorische Brustkrebs ist eine aggressive Form von Brustkrebs, die sich schneller als andere über die Blut- und Lymphgefäße in den Körper ausbreitet und Tochtergeschwülste (Metastasen) bildet. 

 

 

Wie können Sie Inflammatorischer Brustkrebs erkennen?

 

Die nachfolgenden Symptome können jedes für sich ein Hinweis auf einen entzündlichen Brustkrebs sein und müssen nicht alle gleichzeitig auftreten

  • Ihre Brust ist warm und geschwollen, eventuell auch schmerzhaft
  • die Haut der Brust ist gerötet
  • die Haut einer Brust wirkt plötzlich schrumpelig/grobporig wie bei einer Apfelsine („Orangenhaut“ oder „Peau d`Orange“)
  • Ihre Brust juckt oder brennt
  • die Brustwarze verändert sich, wirkt abgeflacht oder eingezogen
  • eine Brust wird plötzlich größer
  • Ihre Lymphknoten in der Achselhöhle oder über dem Schlüsselbein sind geschwollen

inflammatorischer brustkrebs 1

inflammatorischer brustkrebs 2

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Besonderheiten des inflammatorischen Brustkrebs

 

Die Besonderheit beim inflammatorischen Brustkrebs ist, dass sich Krebszellen in den Lymphgefäßen der Haut sammeln (Lymphangiosis carcinomatosa) und so die Anzeichen einer Entzündung verursachen. Von den biologischen Merkmalen wächst der inflammatorische Brustkrebs oft hormonunabhängig und ist häufiger HER2-positiv

 

Diagnose: Wie wird inflammatorischer Brustkrebs diagnostiziert?

 

Die Diagnose „inflammatorisches Mammakarzinom“ ist oft schwierig zu stellen, da das klinische Erscheinungsbild ja eine Entzündung vorgaukelt. Neben einer Mammographie und einer Ultraschalluntersuchung sollten in der Regel eine Probeentnahme aus dem Brustgewebe (Stanzbiopsie) und auch eine Hautprobe (Hautbiopsie, Punch-Biopsie) entnommen werden.

 

Therapie von inflammatorischen Brustkrebs

 

Beim inflammatorischen Brustkrebs wird, wenn eine Streuung in andere Organe ausgeschlossen wurde, meist zunächst eine Chemotherapie durchgeführt. Diese richtet sich nach der Biologie (Hormonempfindlichkeit? HER2 Status?) des Brustkrebses und enthält in der Regel (wie beim nicht-inflammatorischen Mammakarzinom) Anthrazykline und Taxane. Beim triple-negativen Karzinom wird oft noch Carboplatin hinzugenommen, beim Nachweis von HER2 Antikörper gegen HER2 (Trastuzumab, Pertuzumab).  

Die Operation ist abhängig vom Ansprechen auf die Chemotherapie. Während vor wenigen Jahren beim inflammatorischen Brustkrebs immer die gesamte Brust entfernt wurde, wird die Operation heute zunehmend vom Ansprechen auf die Chemotherapie abhängig gemacht. Wenn der Tumor nach der Chemotherapie komplett verschwunden ist, kann über eine brusterhaltende Therapie und Entfernung des ehemaligen Tumorbetts nachgedacht werden. Wenn Tumorreste nach Abschluss der neoadjuvanten Therapie nachweisbar sind, wird eine Entfernung der Brust und (wenn auffällig/betroffen) der Lymphknoten in der Achselhöhle empfohlen. Da die Tumorzellen sich in den Lymphspalten der Haut ausbreiten, sollte nach heutigem Kenntnisstand der Hautmantel mit entfernt werden und keine sogenannte subkutane Mastektomie durchgeführt werden. Ansonsten würde ein erhöhtes Rückfallrisiko entstehen. Meist wird nach der Operation die Brustwand bestrahlt, um das Rückfallrisiko zu reduzieren.

 

 

 

09. August 2021 | Autorin: Prof. Dr. Pia Wülfing

 

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