"Schon während meiner Brustkrebsdiagnose spielte Ernährung eine sehr große Rolle"

Interview mit Carolin Kotke.

 

16.12.2022

Carolin Kotke

Carolin Kotke arbeitet als Brustkrebsaktivistin, Autorin und Ernährungscoach und hat ihr Leben nach der Diagnose Brustkrebs komplett umgekrempelt. Welche Chancen die 34-Jährige in der Krankheit gesehen hat, warum sie uns allen dazu rät, mutiger durchs Leben zu gehen, und warum Ernährung nach wie vor eine so große Rolle in ihrem Alltag spielt, erzählt sie PINK! im Interview.

 

Was hat sich nach der Diagnose in deinem Leben verändert und was hat die Diagnose mit dir gemacht?

Als ich vor 5 Jahren die Diagnose Brustkrebs bekam, habe ich mir fest vorgenommen, dass wenn ich das durchstehe, ich etwas in meinem Leben ändern möchte. Ich möchte nicht mehr nur träumen oder mir Dinge vornehmen, die ich dann doch eh nie machen werde. Ich möchte einfach mal machen und mein Leben wirklich leben. Ich möchte stolz auf mein Leben zurückschauen können und sagen können, dass ich nichts bereue und etwas zum Positiven bewegt habe. 

Und so bin ich nach meiner Brustkrebsdiagnose einfach ausgebrochen und arbeite eifrig an meinen Vorsätzen und Zielen fürs Leben. Es ist der Wahnsinn, wie sich aus der schrecklichsten Zeit meines Lebens auf einmal ganz viele positive Sachen ergeben haben. 

Mittlerweile lebe ich auf dem Land, habe meinen alten Job gekündigt, arbeite als Ernährungscoach und versuche meine Reichweite auf Social Media sinnvoll dafür einzusetzen, die Menschen mehr und mehr für einen gesunden und bewussten Lebensstil zu motivieren sowie rund um das Thema Brustkrebs und Vorsorge aufzuklären. 

 

Wie war dein Jahr 2022?

Ereignisreich. Ich denke, das Wort trifft es sehr gut. Dieses Jahr habe ich mir gleich mehrere Träume erfüllt und wenn ich so darauf zurückblicke, fühlt sich mein Jahr 2022 manchmal immer noch surreal an. 

Nachdem wir damals nach Beendigung meiner Brustkrebstherapie nach Bali gereist sind, hatte uns dieses Land so sehr fasziniert, dass wir dieses Jahr für zwei Monate von dort aus gearbeitet haben. Mein Partner und ich sind mittlerweile beide selbständig – und was hatten wir zu verlieren?

Also wollten wir es einfach mal versuchen. Es war auf jeden Fall herausfordernd, aber es absolut Wert, denn all die neuen Erfahrungen, Eindrücke und Learnings, die wir daraus gezogen haben, sowie die unvergesslichen Momente werden für ewig währen. Sollten wir nicht alle einfach mal viel mutiger sein? Bei so vielen Dingen frage ich mich mittlerweile „Was hast du zu verlieren?”. Das Leben ist einfach zu kurz, um die Dinge auf morgen und dann wieder auf übermorgen zu verschieben. Doch mein persönliches Highlight dieses Jahr war auf jeden Fall die Veröffentlichung meines Buchs, mit dem ein absoluter Traum wahr geworden ist.
 

Schon während meiner Brustkrebsdiagnose spielte Ernährung eine sehr große Rolle für mich und half mir durch die Therapie. Ernährung gab mir ein Stück weit Kontrolle zurück und sorgte dafür, dass ich relativ schnell wieder fit wurde. Aus diesem Grund fasste ich auch den Entschluss, eine Ausbildung, als Ernährungsberaterin zu machen und mein Wissen und meine Erfahrungen mit anderen zu teilen und auch ihnen zu helfen. 

Und wenn mir jemand vor fünf Jahren erzählt hätte, dass ich all das einmal machen und diese Möglichkeit bekommen würde, dann hätte ich es niemals im Leben geglaubt. Ebenso nicht, dass ich mich für ein Millionenpublikum fürs Fernsehen nackt machen würde (lacht).  Anfang des Jahres habe ich nämlich an der Sendung “Showtime of my life – Stars gegen Krebs” teilgenommen und die Hüllen fallen lassen, um mehr Menschen für die Krebsvorsorge zu motivieren. Die Sendung war ein voller Erfolg und für mich war es eine mega krasse und unvergessliche Erfahrung. Da bin ich wirklich über meinen Schatten gesprungen und etwas stolz auf mich und frage mich nun, was das Jahr 2023 überhaupt noch für mich bereithalten soll (lacht).

 

Gib uns doch dennoch mal einen Ausblick nach vorne: Hast du Vorsätze fürs neue Jahr, Pläne, Ideen, was steht an?

 

Mein größter Vorsatz ist, genauso weiterzumachen wie zuvor. Ich möchte weiter an meinen Träumen arbeiten und sie Realität werden lassen. Das heißt zum einen, mehr Menschen zu einem gesunden und bewussteren Lebensstil helfen, und zum anderen mehr von der Welt sehen und lernen. 

Mein größter Traum für 2023: Nach Afrika reisen und die Löwen sehen. Der Löwe war während meiner Krebsdiagnose nämlich mein Krafttier. Der Song „Like a lion” von Mark Forster lief damals bei mir rauf und runter und bis heute trage ich meinen Löwenring, der mir noch heute meine „Löwenpower” gibt.

 

Wie lauten deine 3 besten Tipps, um nach der Therapie wieder stärker zu werden?

 

Da fallen mir direkt gleich drei Punkte ein, die mir wahnsinnig geholfen haben:

  1. Natürlich eine gesunde und ausgewogene Ernährung.
  2. Das richtige Mindset, Stress reduzieren, seine Bedürfnisse kennen und lernen, auch einmal „nein” sagen zu können.
  3. Bewegung und frische Luft! Einer der Gründe, weshalb ich von Hamburg aufs bayerische Land und mitten in die Natur gezogen bin. Mein absoluter Kraftort. Mittlerweile gehen wir regelmäßig an der frischen Luft spazieren oder wandern und ebenso habe ich mit Yoga angefangen.
     

Welche Verarbeitungsstrategien kannst du Brustkrebspatientinnen empfehlen?

 

Mir hatte es sehr geholfen, offen über die Diagnose zu sprechen. Mir fiel es anfangs wirklich schwer, mich der Diagnose zu stellen, ich bin in ein tiefes Loch gefallen und ich habe sehr viel verdrängt. Dann fasste ich den Entschluss, ein Brustkrebstagebuch zu schreiben und dieses sogar öffentlich zu machen. 

Jeden Monat schrieb ich all meine Gedanken, Kummer und Sorgen nieder. Das half mir, zu verarbeiten und gleichzeitig konnte ich dadurch viele „Gleichgesinnte” finden, denen es ähnlich ging und mit denen ich mich austauschen konnte. Mit einigen bin ich nun sogar eng befreundet. Aber auch die Gespräche mit einer Psychoonkologin hatten mir damals sehr geholfen. 

 

Wie schaffst du es, mit so viel Positivität und Stärke durchs Leben zu gehen?

 

Dankbarkeit und Wertschätzung. Klar habe auch ich Tage, an denen es mir mal nicht gut geht, die Dinge nicht einwandfrei laufen, oder das Kopfkino mal wieder anfängt. Ich probiere, mich aber einfach immer wieder auf die positiven Dinge im Leben zu fokussieren und den negativen Dingen nicht so viel Raum zu geben. 

Ich möchte meine Zeit und meine zweite Chance schließlich sinnvoll nutzen und nicht damit verbringen, mich über alles aufzuregen. Insbesondere über Dinge, die ich eh nicht ändern kann. Denn dafür hatte ich vor meiner Brustkrebsdiagnose viel zu viel wertvolle Zeit verschwendet.

 

Was ist dein Soforthilfetrick bei schlechter Laune oder negativen Gedanken?

Ich habe eine „Extra Good Vibes-Playlist“. Ebenso helfen mir Spaziergänge in der Natur, Sport oder aber auch Meditationen. Einfach mal bewusst ein- und ausatmen und probieren, die Situation noch einmal aus einer neuen Perspektive zu betrachten. Ansonsten macht mich Essen glücklich,  insbesondere Brokkoli (lacht).

 
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