Welche Rolle spielt das höhere Alter bei Brustkrebs?

 
 
 

Besonderheiten bei älteren Patientinnen

 

Das Mammakarzinom ist im Großen und Ganzen doch eher eine Erkrankung der älteren Frau. Die meisten Patientinnen sind über 60 Jahre und über ein Viertel der Brustkrebspatientinnen ist über 75 Jahre alt. 

Die Tumoreigenschaften bei älteren Patientinnen sind eher günstig (ca. 85 Prozent sind hormonrezeptorpositiv) und so sind es meistens auch die Aussichten für eine erfolgreiche Therapie. Dennoch kommt es früher zu Rückfällen und die Sterblichkeit ist höher. Woran liegt das? Frauen über 70 Jahre werden nicht mehr zum Mammographie-Screening eingeladen und suchen seltener einen Frauenarzt auf. Wir können Sie also hier nur bitten, gehen Sie auch aus eigener Initiative zur regelmäßigen Vorsorge oder den Nachsorgebehandlungen und motivieren Sie Ihre Freundinnen und Verwandte, dies ebenfalls zu tun! 

 

Wenn Sie selbst bereits an Brustkrebs erkrankt sind, dann ist das, was für die bei Ihnen geeignete Therapieentscheidung zählt, das biologische Alter! Selbst bei Begleiterkankungen ist heutzutage dank moderner Narkosemittel- und Verfahren zum Beispiel die Operation auch in höherem Alter ohne größere Risiken möglich. Bei älteren Patientinnen sollten die behandelnden Ärzte auf den genauen Zustand und die sozialen Umstände der Patientin schauen! Es gibt im Hinblick auf den Allgemeinzustand, Vorerkrankungen und Lebensumstände, das soziale Netz und die Verfügbarkeit von Hilfsdiensten einfach sehr große Unterschiede im Alter. Zur umfassenden geriatrischen Einschätzung (CGA) gehört daher die Einschätzung der Gesamtsituation einer älteren Patientin. Dazu zählt: 

  • Wie ist die physische, mentale und psychosoziale Gesundheit?
  • Welche Basisaktivitäten des täglichen Lebens sind möglich (Ankleiden, Körperpflege, Zubereiten des täglichen Essens, Medikamenteneinnahme, etc.)?
  • Wie sehen die Lebensumstände aus, das soziale Netz, die Verfügbarkeit von HiIfsdienstleistern etc.?

 

Hier kommen noch etwas technisch wirkende Kategorisierungen, die wir Ihnen dennoch nicht vorenthalten wollen, damit Sie für Ihre Arztgespräche gerüstet und gut informiert sind:

Die Arbeitsgemeinschaft für Gynäkologische Onkologie (AGO) (QUERLINK) hat in ihren Leitlinien 2020 eine grobe Unterscheidung zwischen der „rüstigen älteren Patientin“ und der „gebrechlichen älteren Patientin“ vorgenommen: 

 

Dabei wird für die Behandlung der „rüstigen älteren" Patientin (Lebenserwartung > 5 Jahre und akzeptable Begleiterkrankungen (Komorbiditäten)) Folgendes vorgeschlagen:

  • Bestimmung des aktuellen Gesundheitszustandes
  • Leitliniengerechte Behandlung wie bei „jüngeren“ Patientinnen
    • Operation
    • Hormontherapie (endokrin-sensibles Ca / Karzimon)
    • Chemotherapie (Standard Regime)
    • Radiotherapie
    • Verzicht auf Radiotherapie bei „low risk“ , wenn eine endokrine Therapie geplant ist
    • Trastuzumab Therapien (s.o.) jeweils auf spätere Kapitel verlinken

 

Die Therapie der „gebrechlichen älteren“ Patientin (Lebenserwartung < 5 Jahre, erhebliche Begleiterkrankungen (Komorbiditäten)) wird wie folgt empfohlen:

  • Reduzierte Standardtherapie
  • Therapieoptionen abgeleitet aus Studien mit älteren Patientinnen:
    • Keine Brustoperation (Antihormontherapie/endokrine Therapieoption überlegen)
    • Keine Operation der Achselhöhle (wenn ≥ 60 Jahre, kein Lymphknotenbefall, hormonempfindlicher Tumor)
    • Keine Bestrahlung (Radiatio) (wenn ≥ 65 Jahre, Tumorgröße < 2 cm, kein Lymphknotenbefall und hormonempfindlicher Tumor)
    • Hypofraktionierte Radiatio
    • Keine Chemotherapie ≥70 Jahre bei negativer Risiko-Nutzen-Abwägung

 

 

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Besonderheiten von älteren Patientinnen

Brustkrebs tritt vermehrt bei Frauen im höheren Alter auf, ein Viertel der Patientinnen ist über 75. Entscheidend ist aber das biologische Alter. Als ältere Patientin können und sollten Sie grundsätzlich die gleiche Behandlung erhalten.