Porträt

Nach beidseitiger Amputation fand Claudia durch Brustwarzenepithesen ein neues Körpergefühl. Im Interview teilt sie ihre Erfahrung: von Operationen und Rückschlägen bis hin zu dem Moment, in dem sich ihr Blick im Spiegel endlich wieder richtig anfühlte.

Bitte schildere kurz deine Geschichte und wie es dazu kam, dass du dich mit dem Thema Brustwarzenepithesen beschäftigt hast

2011 wurde bei einer Routineuntersuchung ein Knoten in meiner rechten Brust festgestellt und dann fing das Drama an: Ich wurde von April bis September jeden Monat einmal operiert und letztendlich musste ich am 01.12.2011 beidseitig amputiert werden.

Was war für dich der ausschlaggebende Punkt, dich für Brustwarzenepithesen zu entscheiden?

Ich wollte wieder einigermaßen wie eine komplette Frau aussehen. Ohne die Epithesen vorher auch nur gesehen zu haben, wollte ich sie direkt haben

Kannst du erklären, woraus die Epithesen bestehen und wie genau sie “funktionieren”/angewendet werden?

Die Brustwarzenepithesen sind aus einem ganz weichen Silikon und werden mit einem spezial Hautkleber angebracht.

Gab es Alternativen, über die du nachgedacht hast – z. B. eine Tätowierung, eine chirurgische Rekonstruktion oder den Verzicht?

Man hat zwei Jahre nach der kompletten Amputation meine Brüste mittels Epithesen und danach Implantaten wieder aufgebaut. In der letzten OP wurden mir aus den Seiten der Schamlippen zwei Warzen modelliert, doch durch weitere Operationen an der Brust war alles wieder weg, da der Krebs wiederkam. Dann habe ich mir über eine Tätowiererin die Warzen pigmentieren lassen, doch auch danach folgten wieder mehrere Operationen, sodass ich mich letztendlich für die Brustwarzenepithesen entschied.

Wie wurdest du über die Möglichkeit von Epithesen informiert? (z. B. durch Ärzt:innen, Pflegepersonal, andere Betroffene)

Leider wurde ich nicht darüber aufgeklärt. Ich bin über eine Werbung bei TikTok darauf gestoßen.

Wie lief die Anpassung und Herstellung der Brustwarzenepithesen ab? (z. B. Abdruck, Farbwahl, Passform)

Wir haben zunächst viel per WhatsApp geschrieben und anschließend wurden die Warzen nach meinen Vorstellungen angefertigt. Mein Mann und ich sind dann ins Studio gefahren, um sie zum ersten Mal zu testen.

Das Anbringen und der Umgang damit müssen am Anfang erst etwas geübt werden. Man muss ein Gefühl dafür entwickeln, wie viel Kleber benötigt wird und welcher Kleber sich am besten eignet. Außerdem ist beim Aufkleben Vorsicht wichtig, damit die Warzen nicht reißen oder beschädigt werden.

Wie hast du dich gefühlt, als du die Epithesen zum ersten Mal getragen hast?

Die erste Anpassung war sehr emotional. Ich fühlte mich plötzlich wieder wie eine richtige komplette Frau und konnte wieder ohne Ekel in den Spiegel schauen.

Hat sich dein Körperbild durch die Epithesen verändert? Wenn ja, wie?

Ja, natürlich! Das ganze Empfinden ist ein ganz anderes. Ich traue mich wieder, in die Sauna zu gehen, ohne die Arme immer vor der Brust zu halten. Ich bin dadurch einfach ein anderer Mensch geworden.

Was würdest du anderen Frauen raten, die vor einer ähnlichen Entscheidung stehen?

Ich weiß nicht, wie man es am besten ausdrücken soll, denn das macht so viel mit der Psyche – zumindest bei mir. Ich konnte mich selbst nicht ertragen und ansehen, geschweige denn mich vor dem Partner zeigen.

Ich kann nur jeder Frau sagen, dass es ein schwerer Weg ist, aber egal wie steinig er ist: Geht ihn, es lohnt sich. Vor allem, weil es Menschen gibt, die einen auf diesem Weg unterstützen.